16. Januar 2016

Projekt

Das Verbundprojekt BakerStreet entwickelt Methoden- und Werkzeugunterstützung zur Umsetzung von Baukastenstrategien in industrienahen Dienstleistungsbranchen. Hierzu werden geeignete Vorgehensweisen der Modularisierung und Individualisierung von Dienstleistungsportfolios identifiziert und für die praktische Nutzung durch Dienstleister weiterentwickelt bzw. adaptiert. Eine Erprobung der Methoden erfolgt mit Pilotpartnern aus der Logistik- und Windenergie-Branche. Möglichkeiten einer geeigneten Softwareunterstützung für den Angebotserstellungsprozess werden evaluiert. Die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH und das Land Bremen beteiligen sich finanziell an der Umsetzung des Projektes. Das Projekt wird durchgeführt in Kooperation mit und finanzieller Unterstützung von der encoway GmbH.

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Der Megatrend der Individualisierung zwingt Unternehmen dazu, ihren diversen Märkten und Kunden immer stärker auf Losgröße 1 zugeschnittene Produkte und Leistungen anzubieten. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben sind sie allerdings zugleich gezwungen ihre interne Prozesse wegen Kostendruck zu standardisieren, was zu einem Interessenskonflikt zwischen dem Anbieter und dem Kunden führt. Mit diesem Hintergrund bietet das Prinzip der Modularisierung eine mögliche Lösung, was eine breite Marktabdeckung durch eine genügend große Zahl von Produktvarianten ohne große zusätzliche Investitionen verspricht. Unter Modularisierung versteht man ein Design-Prinzip, bei dem ein komplexes Produkt aus mehreren Teilprodukten (Modulen) besteht, die unabhängig voneinander weiterentwickelt und ersetzt werden können, ohne das gesamte System zu beeinflussen.

Bisher hat sich Modularisierung hauptsächlich bei der Entwicklung von Produkten (z. B. ein konfigurierbares Fahrzeug, welches der Kunde ausgehend von seinen Präferenzen „zusammenbauen“ kann) und der Software Entwicklung (z. B. Individualsoftware, maßgeschneidert für die Anforderungen des Kunden) durchgesetzt, da der Gedanke der Baukastenstrategie dort am einfachsten vorzustellen und implementierbar ist. In diesem Kontext hat sich in den vergangenen 20 Jahren ein Markt für entsprechende Beratungsleistungen und Unterstützungssysteme entwickelt, die heute als CPQ-Systeme (configuration – pricing – quotation) bezeichnet werden.

Zukünftig werden allerdings auch Unternehmen aus verschiedenen Dienstleistungsbranchen in gleicher Weise vor der Herausforderung stehen, zunehmend individuelle Kundenwünsche möglichst effizient zu erfüllen. Dienstleister werden sich ebenso dem Konflikt zwischen kostenoptimalen (Dienstleistungs-) Baukästen und einer hohen Zahl marktseitiger (Dienstleistungs-) Varianten stellen müssen, um den Individualisierungsanforderungen strategisch gerecht zu werden. Zum heutigen Zeitpunkt stehen die Dienstleistungsbranchen allerdings erst am Anfang dieser Entwicklung, denn nur wenige Dienstleister haben bisher ihr Portfolio in geeigneter Weise modularisieren können.

Das von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) gefördertes Verbundprojekt BakerStreet setzt an den beschriebenen Herausforderungen an und entwickelt mit einem zweigliedrigen Vorgehen geeignete Antworten auf die Fragen der Individualisierung und Modularisierung für Unternehmen der verschiedenen Dienstleistungsbranchen. Dabei sollen u.a. praktische Unterschiede zwischen Produktmodularisierung und Dienstleistungsmodularisierung untersucht werden und welche Implikationen es für den Vertrieb modular aufgebauten Dienstleistungen mit CPQ-Systemen hat. Insbesondere geht es bei dem Projekt um folgende Aufgaben:

Weiterentwicklung von Methoden und Vorgehensweisen: Es ist das Ziel, geeignete Methoden und Vorgehensweisen der Modularisierung und Individualisierung von Dienstleistungsportfolios zu identifizieren und für die praktische Nutzung durch Dienstleister weiterzuentwickeln bzw. zu adaptieren. Abgeleitet von den erfolgreichen Strategien produzierender Unternehmen und ersten konzeptionellen Überlegungen aus der Dienstleistungsforschung soll untersucht werden, wie „Dienstleistungsprodukte“ erfolgreich in konfigurierbare Leistungselemente zergliedert werden können, so dass sich Kosten- und Umsatzeffekte für die Dienstleistungserbringer erzielen lassen. In einem Leitfaden werden die Methoden und Vorgehensweisen zusammengefasst und für Praktiker leicht zugänglich aufbereitet.

Entwicklung von Implementierungsstrategien und Umsetzungswerkzeugen: Es ist außerdem das Ziel, das identifizierte und weiterentwickelte Methoden-Set für die Praxis nutzbar zu machen. Eine Erprobung der Methoden erfolgt zunächst an den Beispielen von regionalen Pilotpartnern aus der Logistik- und Windenergie-Branche. Für die Erprobung bei den Pilotpartnern werden die Methoden in ein Software-System umgesetzt, das sowohl die Modularisierungsmethoden für die Baukastenentwicklung als auch eine CPQ-Anwendung für den Vertrieb modularisierter Dienstleistungsbaukästen umfassen wird.